Zukunftsradar · Gobao X‑Series
„Ride. Don’t shift.“ – Gobao bringt die Idee ziemlich knapp auf den Punkt. Die X‑Series vereint Motor, stufenlose Übersetzung und Software in einer Einheit. Zwei Varianten sollen vom Stadt-E‑Bike bis zum Cargo- und E‑MTB reichen.
Eine Übersetzung ohne feste Gänge
Bei einer klassischen Schaltung springt die Kette von Ritzel zu Ritzel. Die Gobao X‑Series arbeitet stattdessen mit einer elektronisch geregelten, stufenlosen Übersetzung – einer eCVT. Das System passt die Übersetzung fortlaufend an, ohne dass ein normaler Gangwechsel hör- oder fühlbar sein muss.
Der Fahrer wählt auf Wunsch seine bevorzugte Trittfrequenz. Die Software versucht dann, diese Kadenz auch bei wechselnder Steigung und Geschwindigkeit zu halten. Wer nicht alles der Automatik überlassen möchte, kann manuell schalten und virtuelle Gangstufen nutzen. Stufenlos heißt also nicht: keine Kontrolle. Es heißt: Die Mechanik ist nicht mehr an feste Ritzelabstände gebunden.
X1 und X1P: gleiche Idee, anderer Einsatz
Gobao positioniert den X1 für Urban- und Trekking-E‑Bikes. Angegeben werden 120 Nm maximales Drehmoment, 1.200 W maximale elektrische Leistung, 400 Prozent Übersetzungsbereich und eine maximale Kadenz von über 120 U/min. Der X1P richtet sich an E‑MTB und Cargo: 150 Nm, 1.500 W, 500 Prozent Übersetzungsbereich und ebenfalls mehr als 120 U/min. Beide Einheiten wiegen laut Hersteller 3,85 kg und sind als 25- oder 45-km/h-System vorgesehen.
Diese Maximalwerte sind keine Dauerleistung. Gobao nennt für beide Varianten 250 W Nenndauerleistung. Für die Fahrpraxis wird ohnehin wichtiger sein, wie fein die Unterstützung einsetzt, wie gut die Kadenzregelung arbeitet und wie sich das System bei leerem Akku, auf technischen Anstiegen und im Stop-and-go verhält.
Weniger Mechanik, mehr System
- Motor und Getriebe sitzen in einer kompakten Einheit.
- Die Übersetzung soll geräuschlos und auch unter voller Last wechseln.
- Die stufenlose Automatik hält auf Wunsch eine gewählte Trittfrequenz.
- Manuelle virtuelle Gänge bleiben möglich.
- Gobao bewirbt die Einheit als wartungsfrei und montagefreundlich.
Am Hinterrad kann dadurch eine einfache Ketten- oder Riemenlinie genügen. Das reduziert dort Bauteile und verlagert die komplexe Technik in die Fahrzeugmitte. Wartungsfrei ist allerdings eine Herstellerangabe, die sich erst im jahrelangen Serienbetrieb beweisen muss. Für uns zählen später Ersatzteilversorgung, Diagnose, Softwarepflege und Reparierbarkeit genauso stark wie ein beeindruckendes Datenblatt.
Akku, Schnellladen und Vernetzung
Zum X‑System gehören auch 52-Volt-Akkus mit 500 oder 750 Wh und ein 30-A-Schnelllader. In der offiziellen Detailtabelle nennt Gobao für 0 bis 80 Prozent 24 Minuten beim 500-Wh-Akku und 28 Minuten beim 750-Wh-Akku. Das ist deutlich präziser als eine plakative „20 Minuten“-Botschaft – und genau deshalb arbeiten wir hier mit den Herstellerdaten aus der Tabelle.
Die Connectivity Control Unit soll Tracking, Geofencing, Alarm, Motor-Sperre, digitale Schlüssel und Lichtsteuerung bündeln. Auch hier verschwindet Komplexität nicht wirklich. Sie wandert aus vielen einzelnen Komponenten in ein vernetztes System. Das kann großartig sein, wenn App, Werkstattzugang und langfristige Updates sauber gelöst sind.
Unsere Einordnung
Gobao zeigt kein fernes Gedankenmodell, sondern eine klar beschriebene Plattform mit zwei Motorvarianten, Akkus, Ladegerät und Connectivity. Trotzdem ist ein Antriebssystem noch kein kaufbares E‑Bike. Entscheidend wird, welche Marken es integrieren, wie die Abstimmung gelingt und wann serienreife Modelle tatsächlich in Deutschland verfügbar sind.
Bis dahin lohnt sich der Blick auf die Kategorien, die von dieser Technik besonders profitieren könnten: komfortorientierte City- und Urban-E‑Bikes, kraftvolle E‑MTB Fullys und alltagstaugliche Cargo-Lösungen. Einen Liefertermin oder ein konkretes Gobao-Rad versprechen wir heute bewusst nicht.
Herstellerquellen: Gobao – offizielle X‑System-Seite und Gobao – offizielle Drive-Unit-Daten. Stand 22. August 2026.